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Alt-Texte im E-Commerce: Pflicht nach BFSG

Jonas Staben
Gründer von SCAEL
04.09.2025
Veröffentlicht
SCAEL Insights & Strategien
S
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Alt-Texte im E-Commerce: Pflicht nach BFSG

Jonas Staben
Gründer von SCAEL
04.09.2025
Veröffentlicht
SCAEL Insights & Strategien
S

Key Takeaways

  • Seit dem 28. Juni 2025 sind Alt-Texte für Online-Shops gesetzliche Pflicht (BFSG), fehlende Texte sind ein Abmahnrisiko.

  • Gute Alt-Texte beschreiben kaufentscheidende Merkmale: Farbe, Material, Modell, Funktion.

  • Nebeneffekt: bessere Rankings in der Google-Bildersuche und ein Fallback, wenn Bilder nicht laden.

  • Systematische Pflege über CMS/PIM schlägt Einzelpflege, bei Shopify unter „Inhalte: Dateien“.

Einleitung

Produktbilder sind das Herzstück eines Online-Shops. Doch für viele Nutzer bleiben sie unsichtbar: Menschen mit Sehbeeinträchtigung greifen auf Screenreader zurück, die Bildinhalte nur über Alt-Texte verständlich machen.

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Online-Shops müssen ihre digitalen Angebote barrierefrei gestalten. Dazu gehört auch die konsequente Pflege von Alternativtexten.

In diesem Beitrag erfährst du:

  • Was Alt-Texte sind und welche Funktion sie erfüllen

  • Welche rechtlichen Vorgaben BFSG und WCAG machen

  • Wie du praxisnah gute Alt-Texte für Produkte im Shop erstellst

Was sind Alt-Texte?

Ein Alt-Text (Alternativtext) beschreibt den Inhalt eines Bildes für Nutzer, die das Bild nicht sehen können. Screenreader lesen den Text vor und ermöglichen so Zugang zu den Informationen.

Beispiel:

  • Statt: „Bild123.jpg"

  • Besser: „Damen Sneaker in Weiß mit grauen Akzenten, Modell XY"

Alt-Texte haben drei Hauptfunktionen:

  1. Barrierefreiheit: Zugang für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen

  2. SEO: Suchmaschinen können Bildinhalte besser indexieren

  3. User Experience: Fallback, wenn Bilder nicht geladen werden

Rechtliche Grundlage: BFSG und WCAG

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)

Seit dem 28. Juni 2025 müssen digitale Angebote in Deutschland barrierefrei gestaltet sein. Dazu gehören Websites, mobile Anwendungen und Online-Shops.

Für Shop-Betreiber bedeutet das konkret:

  • Produktbilder müssen mit aussagekräftigen Alt-Texten versehen sein

  • Bildinformationen, die für Kaufentscheidungen wichtig sind (zum Beispiel Farbe, Form, Anwendung), müssen beschrieben werden

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG)

Die WCAG 2.1 definieren internationale Standards für barrierefreie Webinhalte. Wichtige Vorgaben für Alt-Texte:

  • Wahrnehmbar: Bilder müssen textlich beschrieben werden

  • Verständlich: Beschreibungen sollen präzise und leicht erfassbar sein

  • Zweckmäßig: Der Text muss den funktionalen Nutzen des Bildes transportieren, zum Beispiel „Button zum Warenkorb hinzufügen" bei Icons

Praxis: So erstellst du gute Alt-Texte im Online-Shop

1. Beschreibe, was wirklich relevant ist

Alt-Texte sollten alle kaufentscheidenden Merkmale abdecken: Farbe, Material, Modell, Funktion. Beispiel:

  • „Schwarzer Herren-Lederschuh mit Schnürung, Modell Classic Business"

2. Vermeide unnötige Wörter

Screenreader kündigen Bilder meist mit „Bild von…" an. Ein Alt-Text sollte also direkt beschreiben. Beispiel:

  • Falsch: „Bild von einer roten Handtasche"

  • Richtig: „Rote Damenhandtasche aus Leder mit goldener Schnalle"

3. Kontext beachten

Ein Icon im Checkout braucht keinen ausführlichen Text, sondern eine funktionale Beschreibung. Beispiel:

  • Alt-Text: „Warenkorb öffnen" statt „Einkaufswagen-Symbol"

4. Konsistenz sicherstellen

Pflege Alt-Texte systematisch. Nutze dafür dein CMS oder PIM-System. So stellst du sicher, dass tausende Produkte konsistent beschrieben sind. Auf Shopify siehst du deine Alt-Texte unter dem Menü „Inhalte" und dann „Dateien".

5. SEO im Blick behalten

Alt-Texte sind auch ein Rankingfaktor. Verknüpfe relevante Keywords sinnvoll, aber ohne Keyword-Stuffing.

Vorteile für Online-Shops

Die Einhaltung des BFSG ist nicht nur eine Pflicht, sondern bringt auch Chancen:

  • Mehr Kunden erreichen: Menschen mit Behinderung haben eine erhebliche Kaufkraft

  • Besseres Google-Ranking: Alt-Texte verbessern die Sichtbarkeit in der Bildersuche

  • Image-Vorteil: Barrierefreiheit stärkt die Markenwahrnehmung und zeigt Verantwortungsbewusstsein

Fazit

Alt-Texte sind seit Juni 2025 nicht mehr optional, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Sie sind ein zentraler Baustein der Barrierefreiheit und damit nicht nur eine Pflichtaufgabe, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil.

Online-Shops, die ihre Produktbilder konsequent mit guten Alt-Texten versehen, erfüllen nicht nur die gesetzlichen Anforderungen des BFSG und die Standards der WCAG. Sie profitieren auch von besserer Sichtbarkeit und einer inklusiveren Customer Experience.

💡 CTA für dich: Überprüfe deinen Shop sofort auf fehlende oder unzureichende Alt-Texte. Jedes nicht gepflegte Bild ist ein potenzielles rechtliches Risiko und eine verpasste Umsatzchance.

Wie schreibst du Alt-Texte, die rechtssicher und verkaufsstark sind?

Ein guter Alt-Text beschreibt das kaufentscheidende Merkmal in einem präzisen Satz, ohne Füllwörter wie „Bild von". Er muss für einen Screenreader genauso funktionieren wie für Google.

Bewährt hat sich ein fester Aufbau: Produktart, dann die wichtigsten Eigenschaften (Farbe, Material, Modell, Funktion), dann optional der Kontext. So bleibt jeder Text konsistent, egal wie viele Personen ihn pflegen.

  • Mode: „Damen Sneaker in Weiß mit grauen Akzenten, Modell XY"

  • Möbel: „Eichentisch rechteckig, 180 cm, geölte Oberfläche"

  • Icon im Checkout: „Warenkorb öffnen" statt „Einkaufswagen Symbol"

💡 Pro-Tipp: Halte rein dekorative Bilder bewusst leer (leeres alt Attribut). So überspringt der Screenreader sie, statt deine Nutzer mit irrelevanten Beschreibungen aufzuhalten.

Welche Fehler kosten dich Abmahnung oder Ranking?

Die teuersten Fehler sind komplett fehlende Alt-Attribute, Dateinamen als Alt-Text und Keyword-Stuffing. Alle drei fallen sowohl Prüftools als auch Suchmaschinen sofort auf.

  • Leeres oder fehlendes Attribut bei kaufrelevanten Bildern: klarer BFSG-Verstoß

  • „IMG_2837.jpg" oder „Produkt 1" als Text: kein Mehrwert, reines Risiko

  • Zehn Keywords aneinandergereiht: schadet Ranking und Lesefluss

  • Identischer Alt-Text für 200 Varianten: Screenreader-Nutzer verlieren die Orientierung

⚠️ Häufiger Fehler: Viele Shops pflegen Alt-Texte nur auf der Startseite und vergessen Kategorie, Warenkorb und Checkout. Die Pflicht gilt für jedes funktionale Bild im gesamten Kaufprozess.

Wie machst du deinen Shop diese Woche BFSG-fit?

Mit einem 60-Minuten-Audit deines Bildbestands: exportieren, nach Reichweite priorisieren, die wichtigsten Bilder zuerst beschreiben. Du musst nicht alle Bilder gleichzeitig pflegen, sondern die umsatzrelevanten zuerst.

Der konkrete Fahrplan:

  1. Bildliste exportieren (auf Shopify unter „Inhalte" und dann „Dateien")

  2. Nach Traffic priorisieren: Bestseller und meistbesuchte Kategorien zuerst

  3. Alt-Texte nach festem Muster schreiben (Produktart, Merkmale, Kontext)

  4. Einen festen Prozess im CMS oder PIM verankern, damit jedes neue Produkt direkt einen Alt-Text bekommt

  5. Stichprobe mit einem Screenreader oder einem Accessibility-Checker prüfen

Wer das sauber umsetzt, senkt sein rechtliches Risiko, verbessert die Sichtbarkeit in der Google-Bildersuche und schafft ein Einkaufserlebnis, das wirklich alle Kunden erreicht.

Gilt das BFSG auch für kleine Online-Shops?

Ja, grundsätzlich gilt das BFSG seit Juni 2025 für digitale Angebote im E-Commerce. Ausnahmen gibt es nur für Kleinstunternehmen unter bestimmten Schwellen, wer darüber liegt, muss barrierefrei gestalten, inklusive Alt-Texten.

Wie lang sollte ein guter Alt-Text sein?

So kurz wie möglich, so beschreibend wie nötig, in der Praxis 5 bis 15 Wörter. Wichtig sind die kaufentscheidenden Merkmale, nicht jedes Bilddetail: „Rote Damenhandtasche aus Leder mit goldener Schnalle“ statt „Bild von einer Tasche“.

Bringen Alt-Texte wirklich etwas für SEO?

Ja, Suchmaschinen nutzen Alt-Texte, um Bildinhalte zu verstehen. Das verbessert die Sichtbarkeit in der Bildersuche und stärkt die thematische Relevanz der Seite. Keyword-Stuffing solltest du dabei vermeiden.

Brauchen auch Icons und Deko-Bilder Alt-Texte?

Funktionale Icons ja, aber funktional beschrieben („Warenkorb öffnen“ statt „Einkaufswagen-Symbol“). Rein dekorative Bilder bekommen ein leeres alt-Attribut, damit Screenreader sie überspringen.

Jonas Staben
Gründer von SCAEL

Jonas optimiert seit Jahren Shops auf Conversion — mit datengetriebenen A/B-Tests für über 103 E-Commerce-Brands wie LuckyHemp und Alb-Filter. Bei SCAEL verantwortet er Strategie und Testing.

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